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| http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0719/seite1/0068/index.html Archiv » 2008 » 19. Juli » Seite 1 Textarchiv PROTEST Der australische Gegenpapst Jörg Schmilewski Fast vierzig Jahre ist es her, dass Luke Roberts seinen Pope Alice erfunden hat. Es ist eine Kunstfigur, die zumeist die liturgischen Gewänder des Papstes trägt. Ihr Gesicht erinnert an einen Außerirdischen. An diesem Wochenende wird sie einen großen Auftritt haben: bei den Protesten, die den Weltjugendtag im australischen Sydney begleiten. Am Sonntag werden Papstfreunde wie -gegner alles aufbieten. Hinter der Maske von Pope Alice steckt ihr Erfinder - Luke Roberts, ein 55 Jahre alter Künstler. Er gehört zum Führungsteam der No-to-Pope-Coalition. Das Nein-zum-Papst-Bündnis kritisiert die restriktive Haltung der katholischen Kirche zu Sex und Verhütung; viele Homosexuelle, Atheisten, Menschenrechtler und kircheninterne Papstkritiker haben sich der Bewegung angeschlossen. Die Koalition setzt sich für eine Trennung von Kirche und Staat, für Abtreibung und Frauenrechte, Kondombenutzung und gleichgeschlechtliche Liebe ein. Luke Roberts Stimme klingt erleichtert: Gerade eben hätten sie einen weiteren Sieg errungen, sagt er. Seine Anti-Papst-Bewegung habe vor der Großdemonstration in Sydney "ein freundschaftliches Verhältnis" zur Polizei herstellen können. Eigentlich war eine unangenehme bis ernsthafte Konfrontation mit der Staatsmacht zu erwarten gewesen. Es ist erst ein paar Tage her, da erhielt Roberts Anrufe von der Polizei. "Sie wollten Proteste frühzeitig unterbinden", sagt er. Sondergesetze der Regierung von New South Wales hatten eine Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens geschaffen. Jede antikatholische oder papstkritische Meinungsäußerung, jeder T-Shirt-Aufdruck sollte mit umgerechnet bis zu 3 300 Euro bestraft werden. Doch dann hob ein Bundesgericht das Gesetz wieder auf, weil es die Meinungsfreiheit zu sehr eingeschränkt sah. Geklagt hatte Rachel Evans, die wie Roberts zu den Mitbegründern von No To Pope zählt. Roberts stammt aus einem katholischen Elternhaus. Er wuchs in dem kleinen Ort Alpha auf, im riesigen Bundesstaat Queensland. Heute lebt er als Künstler in der im Nordosten Australiens gelegenen Stadt Brisbane, er bekennt sich zu seiner Homosexualität und zum Atheismus. Mitte der achtziger Jahre zog er nach Paris und Amsterdam, eine Zeit lang lebte er auch in Berlin. Freudig kramt er ein paar Brocken Deutsch aus seinem Gedächtnis hervor. Den deutschen Papst Benedikt schimpft er indes "den obersten Homophoben". Den Einfluss der Katholiken in Australien hält Roberts für übergroß. Er rätselt, warum das Parlament von New South Wales der katholischen Kirche 120 Millionen Dollar zur Ausrichtung des Weltjugendtags geschenkt habe, "einer Organisation, die ganz offenbar über genügend Geld verfügt". Auch dagegen will das Nein-zum-Papst-Bündnis protestieren. "Pope Alice's Kiss In" nennt sich eine Kundgebung in Sydney, bei der nun legal Kondome verteilt werden dürfen. ------------------------------ Foto: Pope Alice alias Luke Roberts vom No-to-Pope-Bündnis Posted on Wednesday 20 August 2008 - 09:12:33 By luke |